DAS GEBIET
Denken Sie nicht, dass die Schönheit der Umgebung von Ferrara nur im Podelta zu finden ist. Der Regionalpark mit seinen Wasserreflexen, die endlosen Wälder, sein schillerndes Licht bilden ein faszinierendes Spektakel der (unberührten) Natur. Man braucht sich nur ins Auto (oder aufs Fahrrad) zu setzen und aus der Stadt heraus fahren, um unterwegs Benediktinerkirchen, archäologische Ausgrabungsstätten, Schlösser, Pinakotheken, historische Herrenhäuser zu begegnen, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden.
Wenn Sie nicht viel Zeit haben und auf Ihrer Reise nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besichtigen möchten, ist auf jeden Fall ein Aufenthalt in der Pomposa-Abtei und in Comacchio einzuplanen.
Die Abtei in Pomposa ist ein Meisterwerk der romanischen und byzantinischen Architekturkunst. Schon von Weitem erblickt der Reisende den Abteiturm, der sich in seiner herrlichen Farbenvielfalt, wie ein unter dem alten Mauerwerk Jahhunderte lang schlummender Blumenarten, offenbart.
Was Comacchio anbelangt, so muss man sich dieses Städtchen wie ein kleines Venedig vorstellen: durchquert durch ein dichtes Netz an Kanälen, entlang welcher sich pastellfarbene Häuser im Wasser widerspiegeln und zahlreiche Brücken aus dem 17. Jh. die Stadtteile miteinander verbinden. Unverzichtbar ist der Brauch eines jeden Touristen, die berühmte Großtreppe Trepponti aus dem Jahr 1634 zu besteigen.
Wenige Touristen betreten hingegen das Rathausgebäude, in welchem vor dem Bürgermeistersaal Karnevalkostüme des Malers Remo Brindisi ausgestellt sind. Übrigens befindet sich in der nahen Ortschaft Lido di Spina ein diesem Maler geweihtes Museum, das in der futuristischen Villa des 1996 verstorbenen Künstlers untergebracht ist. Es handelt sich um ein Gebäude nach freiem Grundriss mit runden Gängen und einer spiralenförmigen Treppe. Ein anderes Museum, in diesem Fall mit archelogischen Exponaten und von internationaler Bedeutung, ist das Museum des Römischen Schiffes.
Wenn man unter der Laubenstraße Loggiato dei Capuccini spazieren geht, stößt man auf ein ganz besonderes Museum, die Manifattura dei Marinati. Diese historische Fabrik der Aalbearbeitung ist mit seinen zwölf Kamins, Spießen, Fässern, alten Werken ein Geschichtszeugnis der Hauptaktivität in Comacchio.
Einige Kilometer südlich liegen Valli di Comacchio, ein Gebiet aus Wasserläufen, Erhebungen und Salzgruben, die von der riesengroßen Lagune, von der Comacchio früher umgeben war, noch übrig geblieben sind. Bei einem Bootsausflug kann man uralte Fischfangstellen Casoni (von den 150 ursprünglichen Stellen sind heute noch 8 geblieben), das Städtchen Argenta und die Naturoase "Campotto" besichtigen.
Man kann eine derhiesigen Fahrradverleihstellen in Anspruch nehmen und während eines Fahrradausfl ugs viele kleine, großartige Natur- und Kunstwunder, die diese Umgebung zu bieten hat, hautnah erleben. Zu den Geheimtipps gehört zum Beispiel die kleine, in den Bäumen verstecke Kirche San Giorgio, die auf das 6. Jh. zurückgeht und somit die älteste Kirche dieser Gegend ist.
Eines Besuches wert ist sicherlich auch Cento, eine elegante Stadt mit Laubengängen aus dem 17. Jh., aus welcher der berühmte Maler Guercino stammte. Seine Meisterwerke sind in der Städtischen Pinakothek ausgestellt. In Gambalunga di Portomaggiore steht dagegen ein "Miniaturschloss": es handelt sich um das Lustschloss "Il Verginese" (in ihren Lustschlössern verbrachten die Este ihre Sommerzeit und feierten Feste), das Alfonso d’Este seiner Geliebten Laura Dianti geschenkt hatte. Heute gehört "Il Verginese" zum Weltkulturerbe der UNESCO. Dasselbe gilt für andere Lustschlösser der Este, wie zum Beispiel das Schloss Beliguardo in Voghiera, das dank seiner Pracht und Herrlichkeit sich des Namens das "Versailles der Este" verdient hat.
INFO
Kirche San Giorgio - Argenta
Tel. +39 0532 808 058
Städtische Pinakothek - Cento
Tel. +39 051 684 3390
Pomposa-Abtei - Pomposa
Tel. +39 0533 719 152
Museum des Römischen Schiffes - Comacchio
Tel. +39 0533 311 316
Alternativmuseum der Zeitgenössischen Kunst ‘Remo Brindisi’- Lido Di Spina
Tel. +39 0533 318 748
Manifattura dei Marinati - Besucherzentrum im Park des Podeltas Werkstatt der Bearbeitung des eingelegten Aals gemäß der Tradition der Valli di Comacchio
Tel. +39 0533 811 59 - 314 003
Geheimtipp
STECHMÜCKE: EINE POETISCHE PLAGE
In der Umgebung von Ferrara hat die „enge” Beziehung zur Stechmücke eine Jahrhundert lange Tradition. Der Nationaldichter Torquato Tasso hat diesem lästigen Insekt sogar einige Verse gewidmet:
Eine stolze Mücke
musisziet und fl iegt umher
Und sticht in die weiße Kehle.
Bewunderungswürdige Kriegerin!
Die Natur schenkte ihr
den Stechrüssel als Waffe,
mit dem sie pfeift und sticht.



















